Firma Hampel, Bedachungsbetrieb:
„Gute Noten sind nicht das Wichtigste Göttingen"
Tief beeindruckt haben Daniel Kopp die Männer, die auf das Haus des Großvaters kletterten und das Dach neu deckten. Der Junge dachte: „Das wäre ein Beruf für mich.“ Als Förderschüler schienen seine Chancen jedoch nicht sehr groß, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Nun ist der Traum des 17-Jährigen mit Unterstützung der Arbeitsagentur doch noch in Erfüllung gegangen. Mit ihm zusammen haben zwei weitere Förderschüler, Timo Fischbach und David Bartz (beide 17), eine Lehrstelle bei der Firma Hampel Bedachungen bekommen. „Eigentlich habe ich nur zwei Auszubildende gesucht“, berichtet Geschäftsführer Dirk Hampel. Doch die drei machten sich in zwei Praktika im Herbst 2010 und dann in den Osterferien 2011 so gut, dass er alle drei nahm. „Gute Noten sind nicht das Wichtigste“, meint der Handwerker. Praktische Fertigkeiten und das richtige Auftreten beim Kunden, Motivation und Teamfähigkeit spielten auch eine große Rolle. Und da schneiden die drei Förderschüler gut ab. Damit sie in der Berufsschule mithalten können, bekommen sie von der Arbeitsagentur Nachhilfe finanziert, erläutert Berufsberaterin Marlies Borchart. Die Arbeitsagentur bezahlt auch die so genannte Berufseinstiegsbegleitung. Daniela Kosuch vom Internationalen Bund und Wolfgang Kalweit von der Deutschen Angestellten- Akademie haben in der Förderschule ein Büro. Sie nehmen am Unterricht teil, helfen den jungen Menschen bei der Berufswahl und den Bewerbungen. Einige begleiten sie sogar zum Vorstellungsgespräch. Noch ein halbes Jahr nach Beginn der Ausbildung stehen sie bei Fragen und Problemen zur Verfügung. „Auf die Förderschule zu kommen, bedeutet erst einmal einen Bruch in der Schulkarriere“, sagt Rektorin Martina Kolbe-Schwettmann. Doch an der Schule bekämen die Jugendlichen aufgrund der intensiven Betreuung die Chance, zumindest den Hauptschulabschluss zu machen.
( Urheberrecht Göttinger Tagesblatt )

